Aufsteigender Mondknoten in Zwillinge
Aufsteigender Mondknoten in Zwillinge, 07.08.2008
Die Mondknoten zu deuten fällt Astrologie-Schülern oft schwer. Dieser Horoskop-Faktor scheint nicht recht greifbar. Gilt er doch als "Lebensthema". Wie will man ein Lebensthema dingfest machen?
In meinem Geburtsbild steht der aufsteigende Mondknoten (auch Nordknoten genannt) im Tierkreiszeichen Zwillinge. Dieses Zeichen bringt man mit Kommunikation und Austausch, mit Handel und Begegnungen, mit Neugier und Neuigkeiten in Verbindung.
Wie erlebte und erlebe ich nun diese Konstellation?
Vor vielen vielen Jahren ist mir irgendwann aufgefallen, dass mich ein bestimmter Menschentypus immer wieder faszinierte. Dabei reagierte ich stets wie bei einer Haß-Liebe: Ich war einerseits begeistert, andererseits auch abgestoßen. Bei den Personen, die solch widersprüchliche Gefühle in mir hervorriefen, handelte es sich um Leute, die klug, vielseitig interessiert, wißbegierig und geschickt waren. Ich fühlte mich von ihrer Lebendigkeit angezogen, die mir selbst fremd zu sein schien. Gleichzeitig ging mir ihre Zerfahrenheit und ihr dauerndes Geschwätz mächtig auf den Keks. Um die Wahrheit zu sagen: ich fand ihre Äußerungen auch oft dumm. Die Banalitäten, mit denen sie sich beschäftigen, waren (und sind mir auch heute noch häufig) ein Gräuel. Ihre Nervosität und Unbeständigkeit machte mich zudem selbst ganz kribbelig. Kurzum: ich hatte es mit zwillingsbetonten Menschen zu tun.
Sie bewertete ich von einer überhöhten Position aus. Während sich gleichaltrige Teenager primitive Hollywood-Filme im Kino ansahen, saß ich als Fünfzehnjähriger am Küchentisch und las Schopenhauer. Nicht etwa, dass mir das Spaß gemacht hätte. Den Spaß hatten die anderen, und ich beneidete sie dafür – hätte das aber nie nie zugegeben.
Nun wollte das "Schicksal", dass ich nicht als Philosoph meine Brötchen durch das Schreiben dicker und schwer verständlicher Bücher verdiene, sondern ich fand meine Berufung nach einer Odyssee durch diverse Jobs schließlich in der Beratungsarbeit. Auffällig bei dem steinigen Weg dorthin: zahlreiche Tätigkeiten hatten starken Zwillings-Charakter: ich war lange als Briefträger tätig, als Call-Center-Agent in einer Mitfahrzentrale, als Sekretär, als Fahrer, als Kundenbefrager eines Verkehrsunternehmens und in einem gastronomischen Betrieb war es mein Job, nachts den Kassensturz durchzuführen. Während meine ehemaligen Mitschüler bereits die Immobilien-Angebote nach einem Eigenheim durchforsteten, hielt ich mich immer noch als ewiger Student mit Aushilfsjobs und Flohmarktverkäufen über Wasser. So frustrierend das oft war, so lehrreich war es zugleich. Denn die "einfachen Dinge" gewannen im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung. Und schlußendlich hatte ich gar keinen Grund mehr, auf Menschen verächtlich herunterzuschauen, die Kant für einen neuen Fernsehsender hielten.
Zwar bin ich auch heute noch der Überzeugung, mehr Sinn und Verstand täte unserer Welt und allen darauf lebenden Kreaturen mehr als gut, aber zugleich gelingt es mir, Einfachheit zu akzeptieren. In meiner Beratungspraxis habe ich mit Menschen zu tun, die nach spirituellem Wachstum streben ebenso wie mit Menschen, die ausschließlich die Frage beschäftigt, wann der Traumprinz in ihr Leben tritt. Beide stehen absolut gleichberechtigt nebeneinander.
Den aufsteigenden Mondknoten empfinde ich wie ein Tor, durch das ich hindurch schreiten kann. Es führt mich in unbekanntes Terrain. Hier kann ich neue Erfahrungen sammeln. Und meine Außenwelt stupst mich mal mehr, mal weniger behutsam mittendurch, wenn ich allzu zögerlich sein sollte. Mit dem Nordknoten in den Zwillingen löse ich mich behutsam von hohen Idealen und überheblichen Glaubenssätzen. Ich komme in Kontakt. Mit anderen Menschen, aber auch mit mir selbst. Somit erlebe ich das Thema der Mondknotenachse nicht als isolierte Ereignis, sondern gleichsam als kontinuierliches Hintergrundgeräusch, das meinem Leben Musik einhaucht. Die Mondknotenachse, die ja selbst permanent in Schwingung ist, ruft mir zu: let’s swing. Und folge ich dem Ruf und komme in Bewegung – tja, dann geht’s mir gut.
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