Die vier Quadranten: Grundimpulse des Seins
Die vier Quadranten: Grundimpulse des Seins, 21.11.2011
Sicherlich kennen Sie die Aufteilung der Radix in vier Quadranten, wobei der erste Quadrant die Häuser eins bis drei, der zweite die Häuser vier bis sechs, der dritte die Häuser sieben bis neun und der vierte die Häuser zehn bis zwölf umfasst.
In diesem Beispiel befindet sich Mars im ersten Quadranten, unterhalb der Linie zwischen Aszendent und Deszendent. Jupiter hingegen befindet sich im vierten Quadranten. Er ist gerade über dem Ost-Horizont, also dem Aszendenten, aufgegangen. Die Sonne steht im zweiten Quadranten - zum Zeitpunkt der Horoskoperstellung war es also Nacht, da sich die Sonne zwischen Untergang (Deszendent) und Aufgang (Aszendent) befindet.
Üblicherweise schreibt man den jeweiligen Quadranten bestimmte Regionen menschlichen Lebens zu. So gilt der erste Quadrant beispielsweise als "Körperregion". Planeten, die sich in diesem Horoskopabschnitt befinden, werden stärker somatisch gedeutet. Der zweite Quadrant wird als "Seelenregion" bezeichnet. Planeten in diesem Bereich drücken sich vorrangig emotional aus. Der dritte Quadrant gilt als "Geistregion". Planeten dort sind als Kräfte zu deuten, die durch Interaktion und reflexive Auseinandersetzung aktiviert werden können. Der vierte Quadrant schließlich trägt die Bezeichnung "Schicksalsregion" oder "Wirklichkeitsregion" und weist auf überpersönliche, gesellschaftliche Bezüge hin.Mit dieser Einteilung lässt sich sicherlich gut arbeiten, wenn man die Verteilung der Planeten im Geburtsbild betrachtet. Finden wir viele Horoskopfaktoren in einem Quadranten, kann dies eine vordergründige Tendenz des Horoskopeigners beschreiben. Viele Planeten im ersten Quadranten könnten beispielsweise eine stärkere Materiebezogenheit symbolisieren.
Dennoch bleibt bei mir ein gewisses Unbehagen, wenn wir die Radix in dieser Vorgehensweise zergliedern. Denn meinem Menschenbild nach sind alle vier oben beschriebenen Merkmal ständig und permanent bei einem Individuum präsent. Es gibt keinen Augenblick, in dem ich "nur körperlich" oder "nur geistig", ja nicht einmal "vorrangig körperlich" oder "vorrangig geistig" agiere. Immer setzt sich die Persönlichkeit aus allen vier Aspekten Körper, Seele, Geist und Verwirklichung zusammen. Auch Mars im dritten Quadtanten kann nicht nur gedacht und intellektuell erfasst werden, sondern drängt nach Aktion, kann sich physisch manifestieren oder eine Empfindung zum Ausdruck verhelfen. Im Laufe der Jahre habe ich daher durch Beobachtung für mich eine andere Herangehensweise für die vier Quadranten entwickelt, die ich an dieser Stelle gerne vorstellen möchte.
Dabei verfolge ich die Frage, wozu bestimmte Kräfte maßgeblich dienlich sind. Wofür habe ich als Mensch einen Planeten mitbekommen? Sicherlich: Mond hat immer etwas mit meinem Gefühlsleben zu tun. Doch was kann ich mit dem Ausdruck meiner Empfindungen machen? Ich kann Gefühle nutzen, um mich durchzusetzen. Setze ich einen traurigen Dackelblick auf, während ich einen Wunsch äußere, so dient mir das Gefühl "Traurigkeit", einer Forderung Nachdruck zu verleihen. Das ist etwas ganz anderes, als wenn ich meine Traurigkeit in eine selbstverspielte Form bringe und beispielsweise ein zweckfreies, wehmütiges Gedicht schreibe. Die hier von mir beschriebenen Unterscheidungskriterien kann man also als Ergänzung zu dem herkömmlichen System verstehen.
Ich benennen dabei die vier Quadranten wie folgt:
• Abgrenzung
• Drama
• Ping-Pong
• Eingliederung
Der erste Quadrant: Abgrenzung
Planeten im ersten Quadranten sind hilfreich, wenn es darum geht, sich etwas vom Leib zu halten. Sie haben abgrenzenden Charakter und sind bei der Definition des eigenen Ichs von Nutzen. Sie dienen der Unterscheidung zwischen Ich und Nicht-Ich. Der Selbsterhaltungstrieb ist hier besonders betont. Diese Planeten nutzen dem Ego – mit allen bekannten Vor- und Nachteilen.
Der zweite Quadrant: Drama
Planeten des zweiten Quadranten kann man nutzen, um dem eigenen Leben mehr Würze zu geben. Sie verhelfen uns zu unserer persönlichen Dramatisierung des Lebens. Diese Kräfte erlebt man nicht als abgespalten, sondern als persönlichkeitsbildend und es ist uns wichtig, mit diesen Themen gesehen und verstanden zu werden. Planeten in diesem Quadranten folgen dem Motto: "mehr davon!". Sie bringen im guten wie im schlechten Sinn Beharrlichkeit mit.
Der dritte Quadrant: Ping-Pong
Planeten in diesem Horoskopabschnitt haben ausgleichenden Charakter. Sie vergewissern sich der Einstellung anderer. Die Umwelt wird als inspirierendes Korrektiv verstanden und die Interaktion hilft, mit den eigenen Themen einen neuen Umgang zu finden. Diese Planeten bringen eine Veränderungsbereitschaft mit, sind zugleich aber auch labil.
Der vierte Quadrant: Eingliederung
Planeten im letzten Quader der Radix sind durch soziale Einstellung gefärbt. Der Blick für das Ganze, für die Gemeinschaft, für überpersönliche Zusammenhänge ist vorhanden und wird in den Vordergrund gerückt. Sie drücken sich beispielsweise in politischer oder spiritueller Überzeugung und Handlung aus. Ein Zuviel-Davon lässt das Individuum im System der Menge verschwinden.
Es zeigt sich, dass wir auf diese Weise vier Grundimpulse benennen können, zwischen denen wir uns permanent bewegen: Dem Grundimpuls nach Selbsterhaltung, bei der wir uns als "Nabel der Welt" verstehen (Abgrenzung), dem Grundimpuls nach Gemeinschaft, bei dem wir als soziale Wesen agieren (Eingliederung), dem Grundimpuls nach Verstärkung einer Empfindung oder einer Sichtweise (Drama) und dem Grundimpuls nach Ausgleich, Korrektur und Veränderung einer Empfindung oder Sichtweise (Ping-Pong). Ein Mensch, der beispielsweise einen Konflikt mit seinen Kollegen am Arbeitsplatz durchlebt, muss sich entscheiden, in wie weit er sich von den Mitarbeitern distanziert und auf seine Sicht der Dinge beharrt (Abgrenzung), bzw. wie sehr er das Wir-Gefühl des Teams im Blick haben möchte und zugunsten einer Idee oder einer Gemeinschaft eigene Ansprüche zurück stellt (Eingliederung). Gleichzeitig kann er den Konflikt verstärken, indem er immer auf dem gleichen Standpunkt beharrt (Drama) oder nach einer Veränderung suchen, indem er sich den Sichtweisen der anderen zuwendet (Ping-Pong). Je nach Situation hat jede Tendenz ihre Berechtigung und ein Grundimpuls ist nicht besser als ein anderer.
Man kann im nächsten Schritt die Hauptachsen als Trennlinien betrachten und stellt dann fest, dass wir es auf der Ostseite der Radix (Aszendent) mit der Ambivalenz zwischen Abgrenzung und Eingliederung zu tun haben und auf der Westseite (Deszendent) mit der Ambivalenz zwischen Drama und Ping-Pong, das hier als Ausgleich verstanden werden kann. Einerseits also die Frage, wie weit soll ich mich einem Kollektiv anpassen und wie wichtig ist die Eigenständigkeit? Und andererseits die Frage, wie sehr bestehe ich auf meine Empfindung und Sichtweise oder wie wichtig ist es, mich den Empfindungen und Sichtweisen anderer anzupassen? An der AC-DC-Achse geschnitten gehören im oberen Horoskopbereich die Bereiche Eingliederung und Ping-Pong zusammen, deren Gemeinsamkeit die Interaktion mit der Umwelt ist. Im unteren Bereich finden sich Abgrenzung und Drama, die einen wesentlich stärkeren Ich-Bezug als Gemeinsamkeit aufweisen. Damit ist auch der Tag-Nacht-Aufteilung Respekt gezollt. Wir erleben den Wechsel von Hell und Dunkel wesentlich offensichtlicher als den Kulminationspunkt um die Mittags- bzw. Mitternachtszeit herum. Daher sind die Nachtplaneten, also die unterhalb der AC-DC-Achse bzw. die Tagplaneten, also die darüber liegenden, ähnlicher miteinander, während die an der IC-MC-Achse geschnittenen Planeten widersprüchlicher in ihrer Natur erscheinen.
< Zurück
< Zurück
