Pluto, der Zwergplanet

Pluto, der Zwergplanet, 01.10.2006


Sicherlich haben Sie es mitbekommen, dass wir in unserem Sonnensystem seit dem 24. August 2006 nur noch acht, statt wie bisher neun Planeten haben. Doch nicht etwa, weil einer verlorengegangen und in die Fernen des Weltalls abgetrudelt sei, sondern weil die Internationale Astronomische Union (IAU) das so beschlossen hat.

Die IAU ist ein Zusammenschluss der Astronomen, der zum Beispiel hochoffiziell die Namen entdeckter Himmelskörper vergibt. Auch einigt man sich dort auf Definitionen, man könnte auch sagen: internationale Standards. Auf der Tagesordnung des diesjährigen Treffens in Prag stand nun unter anderem "Neudefinition: was ist ein Planet?" und "die Sache mit Pluto". Beides gärte schon lange in der Wissenschaftswelt.
Pluto nun ist verhältnismäßig klein. Er ist sogar noch ein wenig kleiner als unser Mond. Das alleine stellte bereits die Frage auf, ob es sich denn bei Pluto wohl um einen Planeten handeln könne. Wie groß muss ein Brocken sein, damit er in die würdevolle Reihe der ehrenhaften Planeten aufgenommen werden kann?
Darüber hinaus weist Pluto jedoch auch noch andere Macken auf. So ist seine Bahn stark geneigt, sie steht also schief zu den Bahnen der anderen Planeten. So schief, dass er bisweilen aus der Ekliptik herauswandert. Diese Frechheit steht eigentlich keinem Planeten zu. Und schließlich ist da noch die Angelegenheit mit seinem Mond; beziehungsweise seinem Zwillingsbruder. Plutos Mond Charon ist nämlich nur unwesentlich kleiner als Pluto selbst. Das hat zur Folge, dass nicht etwa nur der Mond um den Planeten kreist, sondern sich beide gleichmäßig anziehen und beide umeinander tanzen. Alles Faktoren, die in der Planetenmanege nicht gerne gesehen werden.
Und wenn Pluto mit seinen vielen Besonderheiten bereits Planetenstatus besitzt, müssen dann die anderen, neu entdeckten Himmelskörper, die weit weniger Absonderlichkeit aufweisen, nicht auch alle Planet werden? Das könnte leicht in die Hunderte gehen! Ein Chaos – nicht unbedingt am Himmel, aber auf Erden, wo doch alles schön geordnet werden soll.

So jedenfalls sieht es die IAU.

Nun hat man mal reinen Tisch gemacht und neu festgelegt, welche Eigenschaften eigentlich ein Planet aufweisen muss, um sich als solcher ausweisen zu können. Demnach ist ein Himmelskörper ein Planet, wenn er
  • nicht selbst leuchtet und
  • sich auf einer keplerschen Umlaufbahn um einen Stern (die Sonne) befindet und
  • über eine ausreichende Masse verfügt, um durch seine Eigengravitation eine annähernd runde Form (hydrostatisches Gleichgewicht) zu bilden und
  • das dominierende Objekt seiner Umlaufbahn ist, dass heißt die Umgebung seiner Bahn bereinigt hat und
  • wenn dessen Masse auch die Gesamtmasse aller anderen Körper in seinem Bahnbereich übertrifft und
  • er kein Mond ist.
Da wird schon ganz schön viel verlangt. Gerade die fünfte Forderung hat Pluto den Garaus gemacht: nicht genug Masse! Schwupps raus aus dem Planetenkreis!

Nun gibt es "planetenähnliche" Objekte in unserem Sonnensystems, die eben nicht alle diese Forderungen erfüllen. Die IAU war schlau genug, für die eine neue Gruppe festzulegen: die Zwergplaneten.

Demnach ist ein Himmelskörper ein Zwergplanet, wenn er
  • sich auf einer Bahn um die Sonne befindet und
  • über eine ausreichende Masse verfügt, um durch seine Eigengravitation eine annähernd runde Form (hydrostatisches Gleichgewicht) zu bilden und
  • die Umgebung seiner Bahn nicht bereinigt hat und
  • kein Mond ist.
Da passt er nun rein, unser Pluto. Ein Zwergplanet ist er, ein Kleinplanet, seit ein paar Tagen ausgestattet mit einer Nummer (gemäß der in der Astronomie üblichen Durchnummerierung entdeckter Kleinplaneten): 134340. Welche Folgen hat dies für die Astrologie? Herrscht Chaos im Horoskop? Dürfen wir ihn nicht mehr deuten? Oder verändert sich die Deutung?

Die Antwort darauf lautet mal wieder "ja und nein". Zunächst einmal ändert sich gar nichts. Denn wie eine kleine Personengruppe auf Erden einen Himmelskörper nennt, ist dem Kosmos letztlich schnurzegal. Wir könnten auch in einem hochoffiziellen Papier festlegen, Objekte einer bestimmten Größe am Himmel nun "Kartoffelbälle" zu nennen – dann würden wir in der Astrologie eben mit Kartoffelbällen und nicht mehr mit Planeten operieren. Die Tatsache, dass Venus eine bestimmte Position einnimmt ist entscheidend; nicht ob wir Venus als Kartoffelball oder Planet bezeichnen.

Gleichzeitig hat die Neudefinition doch auch in Astrologiekreisen einige Diskussionen in Gang gesetzt. Denn an der Pluto-Frage hängt noch ein Rattenschwanz weiterer Himmelskörper. Denn in der Region, in der Pluto seine Kreise zieht, befinden sich schätzungsweise weitere 70.000 Himmelskörper, dem sogenannten Kuipergürtel – und einige davon sind größer als Pluto. Kann man beispielsweise dem Objekt mit der nüchternen Bezeichnung "2003 UB313", das in der gleichen Region wie Pluto entdeckt wurde und Plutos Größe wesentlich übersteigt, den Planetenstatus verweigern, wenn Pluto als Planet gilt? Anders herum: Handelt es sich bei allen Objekten um gleichwertige Faktoren? Wie verfahren wir mit den Asteroiden, die sich zwischen Mars und Jupiter bewegen? Auch das sind Tausende! Es sind so viele, dass die Namen römisch-griechischer Gottheiten schon lange ausgegangen sind. So heißen die Asteroiden zum Beispiel Michael, SwissAir, Jodieforster, Mohr, Monty Python, Credo oder Ginkgo – eine Auflistung finden Sie auf der Seite www.astro.com/swisseph/astlist.htm. (In tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif diesem Artikel finden Sie eine Deutung des Asteroiden "Harz"). Beachtenswert scheint mir in diesem Zusammenhang ein Gedanke von
tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif Ernst Ott zu sein, der darauf hinweist, dass Pluto das erste Objekt war, das man im Kuipergürtel gesichtet hat. Er ist somit Türöffner in diese verborgene Welt. Ihm gebührt daher eine besondere Stellung. Mit den Asteroiden im Asteroidengürtel verfahren wir übrigens ähnlich. Da war es Ceres, die zuerst entdeckt wurde. Auch Ceres wird von einigen Astrologinnen und Astrologen in die Horoskopdeutung mit einbezogen. Meine Idee: vielleicht bewirkt die "Abwertung" Plutos gleichzeitig eine Aufwertung von Ceres. Beide haben ähnliche Geschichten, beide sind die "Türöffner" zu einer ganzen Reihe weiterer Himmelsobjekte.

Die Zukunft wird es zeigen.

Und zum Schluss: wer ist dafür, dass auch Jupiter seinen Planetenstatus verliert? Bitte Hand heben! Nun – eigentlich müssen wir darüber nicht abstimmen. Die IAU hat ganze Arbeit geleistet. Nach der neuen Definition, was ein Planet ist (s.o.) dürfte auch er keiner mehr sein. Denn er erfüllt nicht die Forderung, dass er seine Bahn bereinigt hat. Im Gegenteil: ca. 100.000 bewegte Objekte schätzt man in dem entsprechenden Orbit. Ach ja: bei Mars, Neptun und der Erde ist es ähnlich. Auch sie verfehlen die Aufnahmeprüfung in den Planetenkreis.

Vielleicht hätte man die Abstimmung über die Planeten-Neudefinition nicht an den Schluss der Internationalen Astronomentagung setzen sollen. Da waren schließlich von den ca. 2.500 angereisten Wissenschaftlern nur noch 424 anwesend. Und offensichtlich waren diese schon sehr erschöpft, desinteressiert oder schlicht mit der Fragestellung überfordert... Klingt ein bisschen so wie im Deutschen Bundestag; finden Sie nicht?

P.S.
Sie wollen die "Rettung Plutos"? Dann unterschreiben Sie doch diese Petition:
www.ipetitions.com/petition/savepluto1

   

   

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