Stärke und Schwäche: Mars im 12. Haus

Stärke und Schwäche: Mars im 12. Haus, 2.6.2011

Geheimnisvoller Mars im zwölften Haus

London liegt im Nebel. Eine Schattenfigur huscht um eine dunkle Ecke. Kommissar Marcus Wolf beobachtet, wie sie in einem zwielichtigen Hausflur verschwindet. Was geht da vor? Es ist die große Zehe des Kommissars, die ihm sagt, dass hier was faul ist. 
 
Zu gleicher Zeit findet die Versammlung der "Mildtätigen Schwestern Venedigs" statt. Sie haben sich in einem abgeschiedenen Raum eines Restaurants getroffen. Ein Oberkellner klappert mit dem Geschirr, ruft seinen Kollegen laut etwas zu. Die Schwestern sind genervt, aber höflich. Bis auf eine. Schwester Tiu springt auf: „Können Sie nicht endlich etwas leiser sein, verdammt noch mal!" Alle sind wie vor den Kopf geschlagen. Selbst Schwester Tiu erkennt erst nach dem heftigen Ausbruch, was sie eigentlich gesagt hat.

Unweit davon auf dem offenen Meer in einem kleinen Segelboot treibend verschwindet ein Pärchen in der Unter-Deck-Kajüte. Es lüsternes Kichern ist zu hören. Obwohl niemand in der Nähe, schließt er die Tür und flüstert ihr ein „Pssst" zu, während sie wollüstig schnurrend sich des letzten Bikini-Teils entledigt. Er kramt derweil in einer Geheimkiste nach ein paar Mitteln, die die Werbung als „luststeigernd" angepriesen hatte.

Wie gut dass davon der frierende Komponist nichts weiß, der an der finnischen Küste von einer Eingebung für ein neues Werk fast erschlagen wird. Flugs setzt er sich an seinen Schreibtisch und hält die Noten fest, die ihm wie im Traumbild erscheinen. Seine Hand hetzt über das Papier. Ja, das ist ein Konzert, das die Welt verändern kann! Eine Kriegserklärung an den kleinkarierten Alltag gegossen in Paukenschläge und Trompetensoli! Erschöpft sinkt der Komponist nach dem Akt des Schaffens zusammen. Zweifel kommen in ihm auf. Wird er den Mut haben, diese Musik öffentlich aufzuführen? Woher soll er die Power nehmen, sich gegenüber Generalmusikdirektoren, Orchesterleiter oder Kulturämtern durchzusetzen?

Sein kleiner Sohn stellt sich solche Fragen zum Glück nicht. Im Gegenteil: er schläft. Man sieht seine Augenlider zittern. Ein Alptraum? Möglicherweise. Die Stirn ist schweißnass. Aber das kommt von dem Fieber. Schlafe wohl, Kleiner. Denn der Schlaf heilt und bringt dir Kraft.
 
Mars im zwölften Haus ist ein Symbol der Intuition für Aggression. Dafür hat man ein Gespür. Aber es ist auch ein Hinweis, sich für die Belange von Gruppen engagieren zu können. Oft nicht wissend, woher man Wut und Mut dafür eigentlich nimmt. Im Einsatz für die Gemeinschaft wächst man über sich selbst hinaus. Zugleich kann man Geheimnisse bergen, die lustvoll sind und über die der Mantel der Verschwiegenheit liegen bleibt. Woher die Courage auch nehmen? Denn Mars im zwölften Haus ist oft begleitet von dem Gefühl, ein Fantasieheld zu sein und zu bleiben. Ach ja: die Fantasie. Ihr Reich ist unter anderem der traumreiche Schlaf. Ist das Bewusstsein abgeschaltet, durch Meditation, Hingabe oder eben Schlaf, kommt die Energie zurück. Nun verbindet sich Mars im zwölften Haus mit der versteckten, inneren Stärke und spendet Regenerationskraft, die der Horoskopeigner oft dringend benötigt. 

Der versteckte Kämpfer