Thesenpapier astrologischer Vereinigungen
Im deutschsprachigen Raum existieren sechs Astrologie-Verbände. Diese haben gemeinsam im Sinne der Aufklärung ein Thesenpapier verfasst, in dem die Grundsätze der Astrologie aufgeführt werden:
These 1
Astrologie ist die älteste Typologie der Menschheit und damit älteste Lehre von den Erscheinungsformen körperlicher, seelischer und geistiger Beschaffenheit des Menschen. Sie ist die Deutung räumlicher Verhältnisse und zeitlicher Abläufe in unserem Sonnensystem, d.h. sie ist das einzige Wissensgebiet, das sich der Bewegung der Planeten und Bezugspunkte unseres Sonnensystems bedient, um das Wesensgefüge eines Menschen zu erfassen. Ein für Astrologen bedeutsamer Zeitpunkt ist der Augenblick, in dem ein Prozess seinen Anfang nimmt; für das eigenständige menschliche Leben ist dies der Geburtsmoment. Die Struktur der kosmischen Situation dieses Moments spiegelt die Struktur des hier beginnenden Ablaufs als Ganzheit.
These 2
Die Konstellation der Gestirne unseres
Sonnensystems bildet in jedem Moment eine "Gestalt". Die Arbeit des
Astrologen besteht in der Entschlüsselung der Bedeutung dieser Gestalt.
Astrologische Prognose beruht auf der Deutung der Veränderungen dieser Gestalt
durch den Lauf der Gestirne.
These 3
Die Existenz des angesprochenen
Zusammenhangs ist eine Realität, die der empirisch-wissenschaftlichen Überprüfung
prinzipiell zugänglich ist, wie eine Reihe sehr sorgfältig durchgeführter
wissenschaftlicher Untersuchungen neuerer Zeit eindeutig belegen.
These 4
Welcher Natur dieser Zusammenhang ist - ob
es sich also z.B. um physikalisch nachweisbare Wirkungen der Planeten handelt
oder eher um die Wirkung eines kosmischen
Analogie-Prinzips - lässt sich beim heutigen Wissensstand nicht
entscheiden. Die eindeutig bestehenden rein physikalischen Einflüsse kosmischer
Prozesse auf irdische Abläufe (deren augenfälligstes Beispiel wohl die
Jahreszeiten und die Gezeiten der Meere darstellen) sind nicht ausreichend, den
komplexen kosmisch-irdischen Zusammenhang im Sinne der Astrologie umfassend
beschreiben zu können.
These 5
Wie in anderen Wissensgebieten mit
komplexen Fragestellungen (etwa in der Psychologie) gibt es in der Astrologie
unterschiedliche Auffassungen über methodische Einzelheiten. Viele dieser
Auffassungen beruhen auf den Erfahrungen
einzelner Astrologen. Aus diesem Grunde besteht Einvernehmen über die
Notwendigkeit des Austauschs solcher Erfahrungen sowie der Objektivierung persönlicher
Erfahrung durch Bemühen um Vergleich und wissenschaftliche Überprüfung. Damit
weist die Astrologie ein Vorgehen auf, das auch von anderen Wissens- und
Fachdisziplinen praktiziert wird.
These 6
Das Horoskop, auch Kosmogramm oder
Geburtsbild genannt, ist die graphische Darstellung der Konstellation der
Gestirne unseres Sonnensystems für den Moment der Geburt eines Menschen. Es
zeigt die Konstellation so, wie sie sich einem Beobachter vom Standpunkt des
Geburtsortes aus darstellt. Aus diesem Grunde ist das Horoskop geozentrisch
berechnet. Der Tierkreis ist für
den Astrologen ein Messkreis.
Er nimmt seinen Anfang im sogenannten Widderpunkt (eine der beiden Tag- und
Nachtgleichen). Hier beginnt das Zeichen Widder, das erste Zeichen der zwölf
Zeichen des Tierkreises. Es ist den Astrologen seit dem Altertum bekannt, dass
dieser Widderpunkt (durch eine
Kreiselbewegung der Erdachse bedingt: die Präzession) bezüglich der als
feststehend zu betrachtenden Fixsterne wandert, so dass sich die Tierkreiszeichen des tropischen
Tierkreises nicht mit den Sternbildern
des siderischen Tierkreis decken. Die in Jahrtausenden gewonnene Erfahrung hat
jedoch gezeigt, dass die Stellung der Gestirne unseres Sonnensystems im
tropischen Tierkreis zu treffenderen Deutungen führt. Die Wanderung des Widderpunktes
durch den siderischen Tierkreis wird allerdings mit epochalen Veränderungen auf
der Erde in Verbindung gebracht. Die Dauer für einen vollständigen Umlauf beträgt
etwa 26000 Jahre. Man nennt diesen Zeitraum ein platonisches Weltenjahr.
These 7
Für alle astrologischen Aussagen gilt, dass
sie auf Strukturentsprechungen
beruhen. Die Verwirklichung jeder Struktur ist vielfältig denkbar. Man kann
beispielweise auf viele Weisen ein Dreieck zeichnen, dennoch ist ein Dreieck
immer etwas anderes als ein Viereck. So auch kann jede Struktur sich zwar auf
verschiedene, nicht aber auf beliebige Weise realisieren. Im Bewusstsein dieses
Unterschieds zwischen Struktur und Verwirklichung löst sich der
Scheinwiderspruch von Willensfreiheit
und Determiniertheit: Unsere
Struktur ist determiniert, in ihrer Entfaltung aber sind wir frei. Aus diesen Überlegungen
ergeben sich für die Deutung klare Aussagegrenzen: So kann man keine Aussage über
das Niveau (etwa der Intelligenz) eines Menschen machen, wohl aber über die
Struktur (im Falle der Intelligenz etwa mehr theoretischer Schwerpunkt oder
mehr Schwerpunkt auf praktischer Intelligenz etc.). Auch bei der Prognose ist
nicht das konkrete Ereignis fassbar,
sondern seine sich aus der Struktur ergebene Bedeutung, eine Bedeutung, die sich in verschiedenen sinngemäß gleichen Ereignissen
manifestieren kann. Die Prognose muss also auf ein bestimmtes Umfeld bzw. eine
Umweltsituation wie Elternhaus, soziale, politische oder andere Einbindung
bezogen sein. Die Deutung des Geburtsbildes ist eine Hilfe auf dem Weg zur mehr
Selbsterkenntnis und zur Bestimmung von Begabungen und Schwächen des Menschen.
Diese Erkenntnis kann von der Kindheit bis zum Alter Wegweiser sein für
Erziehung, Bildung und Wirkungskreis. Damit ist der Schwerpunkt der Diagnose
erkennbar.
Diese Thesenaufstellung entstand 1984 im Zusammenwirken folgender astrologischer Vereinigungen:
Astrologische Studiengesellschaft e.V. (Hamburger Schule)
Deutscher Astrologenverband e.V.
Kosmobiologische Akademie Aalen e.V. (KAA)
Kosmobiosophische Gesellschaft e.V.
Schweizer Astrologenbund (SAB)
Berufsverband Astrologische Psychologie (API)