Zurück aus Zürich

Zurück aus Zürich; 1.12.2009

Kabarett-Auftritt
Am letzten Wochenende war ich in Zürich. Dort fand nun schon zum 13ten mal das Internationale Symposium für Astrologie statt. Ich war als Referent und Kabarettist geladen. Ob man mich auch ohne den clownesken Auftritt gebucht hätte...?
 
Zwinkernd

Der kabarettistische Teil kam jedenfalls gut an. Der Vortrag über Horoskopaufstellungen wohl auch. Das schließe ich aus zahlreichen Fragen und Anmerkungen, die ich anschließend von Zuhörern erhielt.

Die Vorträge waren breit angesetzt: sowohl für Anfänger als auch für Profis waren Themen dabei. Am meisten inspirierten mich die Referate der Kollegen Rolf Baltensperger und Christoph Schubert-Weller.
 
Der Schweizer Astrologe Rolf Baltensperger demonstrierte am Beispiel "Transpluto" (auch bekannt unter dem Namen "Isis") Grundprobleme der Astrologie. Philosophische und astronomische Gedanken hat er auf heitere Weise hervorragend zusammen getragen und mir zahlreiche Denkanstöße vermittelt. Transpluto, zunächst auf astronomischer Grundlage berechnet, kann hervorragend gedeutet werden. Allerdings zeigte sich später im Lauf der Geschichte, dass dieser "Planet" gar nicht existiert, die astronomischen Berechnungen falsch waren. Sind wir bei einer "Astrologie ohne Kosmos" angekommen, wie es der Astrologie-Kritiker Edgar Wunder formuliert? Oder deuteten wir statt Transpluto den inzwischen gefundenen Himmelskörper Eris, der in einem Aspekt zu Transpluto stand und somit ebenfalls Indikator zahlreicher Deutungen sein könnte? Wie ermitteln wir überhaupt Bedeutungen neuer Himmelskörper? Brauchen wir eine Revision oder gar Revolution der Astrologie? Brauchen wir beispielsweise neue Horoskopformen?
 
Christoph Schubert-Weller wagte sich an eine Vorausschau zur kardinalen Klimax. Wer sich die Ephemeriden der nächsten Jahre ansieht wird feststellen, dass wir uns auf eine astrologisch höchst brisante Zeit zubewegen. Konstellationen, wie wir sie zum Ende der Weimarer Zeit durchlebten, kommen in ähnlicher Form wieder auf uns zu. Harte Spannungsaspekte, die globale Katastrophen anzeigen können, sind die nächsten Jahre unausweichlich immer wieder an der Tagesordnung. Es scheint eine fulminante Umwälzung zu geben. Schubert-Wellers Deutungen waren allesamt astrologisch stimmig. Und dennoch: ich empfand sie auch als Angst machend. Kann es Sinn und Zweck der Astrologie sein, mich in Panik zu versetzen, da womöglich meine komplette Altersvorsorge den Bach heruntergehen wird? Dass wir womöglich auf einen Krieg zusteuern? Dass Normalbürger womöglich keine finanziellen Mittel mehr haben werden, um Ressourcen wie Wasser und Nahrungsmittel erwerben zu können?
Warum sind Menschen immer wieder von Weltuntergangsszenarien fasziniert? Die Angst ist ausgestreut, wenn solche Referate gehalten werden. Da nutzt auch nicht der Hinweis, dass es global eben an der Zeit ist, mit alten und falschen Vorgehensweisen aufzuräumen. Ich persönlich mag nämlich nur ungern das Opfer solcher globalen Aufräumarbeiten werden. So faszinierend ich den Vortrag fand stellte ich mir immer wieder die Frage: geht Astrologie nicht auch anders?
 
Die gleiche Frage stellte ich mir, als ein Börsenastrologe seine Erkenntnisse vorstellte. Er konzentrierte sich dabei auf die Prognosen zu DAX und Goldpreis. Mittels seiner Techniken wissen wir also, wann wir welche Aktien etc. kaufen bzw. verkaufen sollten, um möglichst viele Gewinne zu machen. Doch ist nicht gerade diese Geldgier ohne Gegenleistung eines der Grundübel unserer gegenwärtigen Krise? Ja, ohne Gegenleistung: Denn Geld arbeitet eben nicht, wie so oft formuliert. Es produziert nichts, schafft keine Werte. Arbeiten tun immer Menschen oder Tiere. Sie erzeugen Dienstleistungen und Waren. Um mich zu bereichern, zum Beispiel über das Börsenspiel, muss ein anderer von seinen Gewinnen etwas hergeben. Die Kurse steigen, wenn Kinder für Pfenniglöhne schuften müssen, wenn kostenintensive ökologische Standars umgangen werden können. Der Aktionär freut sich. Doch auf wessen Kosten? Millionen von Menschen leiden Hunger, weil die Nahrungsmittelpreise an der Börse gehandelt werden. Kann ich da guten Gewissens Börsenempfehlungen geben und dieses dreckige Spiel mitspielen? Das wollte ich von dem Kollegen wissen. Eine hitzige Diskussion entspann sich um die Frage, wie wir mit Verantwortlichkeiten umgehen. Astrologie ist meines Erachtens ein neutrales Instrument. Ich kann es zu ethischen Zwecken ebenso einsetzen wie zu unethischen. Der Abusus dieser alten Wissenschaft ist mir jedoch ein Gräuel.
 
Randbemerkung über das Symposium hinaus: Noch gruseliger wird es übrigens, wenn ein Börsenastrologe glaubt, den Teufel in der Astrologie erkannt zu haben und zum missionarischen Christentum überwechselt – ohne zu kapieren, dass nicht die Astrologie, sondern die Börse die Hölle auf Erden bringt; siehe tl_files/bilder_inhalte/pfeil.gif hier.

Vortrag
Trotzdem war es natürlich gut, auch solche Vorträge zu hören. Denn sonst hätten wir diese Grundlagenfragen der Astrologie sicherlich gar nicht angesprochen.
 
Persönlich war ich ein wenig unerholt: Da ich in einem miserablen Hotel nächtige, das mir rund um die Uhr Lärm bescherte, war ich leider die Symposiumstage sehr unausgeschlafen. Tipp an alle Zürich-Reisenden: Hotel Limmathof unbedingt meiden. Es ist extrem laut, das Frühstück eine Katastrophe (es gibt nur kleine Schmelzkäseecken und Billig-Marmelade in Alubecherchen als Brotbelag). Der Service mies: da das Zimmer zunächst unbeheizt war bat ich um eine zusätzliche Decke für die Nacht. Die Antwort des Portiers: "Wir geben eigentlich keine zweiten Decken raus". Erst nachdem ich bettelte und diskutierte und den Hotelmanager zu sprechen wünschte bekam ich dann doch gnädigerweise eine zweite Decke. Solche Erfahrungen überschatten dann leider das Treffen der Astrologinnen und Astrologen. Ich jedenfalls bin quenglig und müde, wenn ich unausgeschlafen bin.
 
So war es denn ein spannendes Wochenende; leider mit ca. 70 Teilnehmenden etwas mager besucht.